Haushaltsjahr 2020

Die Haushaltsrede von Herrn Verbandsvorsitzenden Daniel Schreiner für das Haushaltsjahr 2020.


Sehr geehrte Frau Vorsitzende Hartmann,
sehr geehrte Herren Ausschussvorsitzende,
sehr geehrte Herren Bürgermeister und Vorstandskollegen,
sehr geehrter Herr Geschäftsführer Adams und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

ein terminlich dicht gepacktes, geschäftiges und ereignisreiches Jahr 2019 liegt nahezu hinter uns. Vielen wird das Jubiläum der Stadt Fulda in guter Erinnerung bleiben, bei dem die gesamte Stadtregion hat feiern und sich treffen können. Über das Jahr hinweg blieb den zahlreichen Veranstaltungen das Wetter in der Regel hold, häufig lasen wir von den tollen Sommern unserer Zeit und sicherlich genossen wir laue Sommerabende mit Familie und
Freunden.

Aber, auch im Jahr 2019 mussten wir uns mit der Erkenntnis anfreunden, dass Wetterereignisse, wenn sie eintreten, extremer werden. Prinz Markus wurde vom Sturm gebeutelt, Margretenhaun zum zweiten Mal vom Wasser heimgesucht, auch Wissels und Dirlos benötigten die Hilfe von den heimischen Feuerwehren. Gleichzeitig berichten Fachmedien von zu wenig Niederschlag, Austrocknung der Böden und mangelnde Versickerungsfähigkeit
auf landwirtschaftlichen Flächen. Zunehmend verlagern sich die Probleme in die urbanen Quartiere und verlangen teilweise Unmögliches von unserem Kanalnetz.

Wasser ist Teil der Natur, gehört zum wichtigen Kreislauf, der das Leben bestimmt. Regenereignisse definieren auch unser Handeln, jedoch kann nicht jegliches Regenereignis von uns vorhergesehen werden. Unsere Aufgabe besteht vermehrt darin, eine dauerhafte Struktur vorzuhalten, die dem Bedürfnis einer wachsenden Region nach sicherer Entsorgung genauso Rechnung trägt wie der Notwendigkeit stabiler und ausgewogener Finanzierung.

Wie Sie alle wissen stellen wir uns dem großen Thema mit wachsenden Investitionen in das Kanalnetz, Ausbau unseres Klärwerks und einem besonderen Augenmerk auf Sonderbauwerke wie Regenrückhaltebecken etc.

Im Jahr 2019 hatten wir mit dem bislang größten Baubudget in der Geschichte des Abwasserverbands umzugehen. Das Bauvolumen für gemeinsame und örtliche Abwasseranlagen einschließlich Kanalreparaturen und Herstellung von Hausanschlüssen belief sich insgesamt auf rd. 11,0 Mio. € verteilt auf 19 größere Projekte und verschiedene kleinere Maßnahmen.

Hierunter befanden sich u.A.:

  • Kanalrenovierung Frankfurter Straße in Fulda mit 1,1 Mio.€,
  • Kanalerneuerung Nikolaus-Seng-Straße in Maberzell mit 580.000 €,
  • Kanalerneuerung Adalbertstraße und Eichsfeld mit zusammen ca. 650.000 €,
  • Kanalerneuerung Wasserkuppenstraße in der Edelzeller Siedlung mit 650.000 €,
  • Bau des Bypass-Kanals II in Künzell ca. 1,1 Mio. €,
  • Kanalsanierung Wasserkuppenstraße in Marbach mit 360.000 €,
  • Renovierung des Haunetalsammlers mit 540.000 €,
  • Kanalsanierung der Bahnhofstraße in Fulda, der erste Bauabschnitt mit ca. 550.000 €,
  • die Erschließung des Baugebiets „Im Hintefeld“ am Trätzhof mit 350.000 €,
  • die abwassertechnische Erschließung des Heimattiergartens in Fulda mit 180.000 €,
  • sowie der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens oberhalb von Bronnzell, wodurch das kommunale Gemeinschaftsprojekt zum Hochwasserschutz im Engelhelmsbachtal abgeschlossen werden kann mit immerhin 950.000 €.

Für das Jahr 2020 steht eine weitere Steigerung der Haushaltsansätze an. Nachdem für das Haushaltsjahr 2019 die Information gegeben wurde, dass der Haushalt durch das größte Investitionsprogramm seit Verbandsgründung im Jahre 1968 mit einer Vielzahl von Einzelbaumaßnahmen gekennzeichnet sei, wird dies im Haushaltsjahr 2020 durch eine Steigerung von rd. 3,15 Mio. € nochmals deutlich übertroffen. Hintergrund sind die verstärkten und gemeinsam festgelegten Investitionsbemühungen im Rahmen des von den Verbandsgremien beschlossenen prognosegestützten Substanzwerterhaltungskonzepts im gesamten Verbandsgebiet sowie notwendige Maßnahmen am und für das Klärwerk Gläserzell.

Folgende Zahlen liegen unserem Haushaltsentwurf zu Grunde:

1. Gesamtergebnishaushalt
Das Gesamtvolumen entwickelt sich wie folgt:

2018 hatten wir ein Ist von 19,79 Mio. € (Die Prognose 18,36)
2019 lag die Prognose bei 20,65 Mio. € (Das Ergebnis steht noch aus)
2020 prognostizieren wir 21,24 Mio. €
Dies bedeutet für das Jahr 2020 wie angekündigt eine weitere Steigerung.

2. Gesamtfinanzhaushalt
Das Gesamt-Ausgabevolumen entwickelt sich wie folgt:

2018 waren es 18,38 Mio. €
2019 liegt bei 19,47 Mio. €
2020 sind es dann 20,02 Mio. €
Auch hier also eine weitere Steigerung für das Folgejahr.

Die Investitionserhöhung wird nur möglich durch die im letzten Jahr getroffene Entscheidung, die Gebührensätze anzuheben. Selbiges gilt für den Haushaltsausgleich.

Den neuen Gebührensätzen liegt ein Kalkulationszeitraum vom Januar 2019 bis Ende 2021 zugrunde, so dass für das kommende Haushaltsjahr keine Änderungen vorgesehen sind.

Zum Tragen kommen:

Schmutzwassergebühr         2,15 €/cbm und
Niederschlagswassergebühr 0,59 €/qm 

Der Saldo des Ergebnishaushalts 2020 steigt mit den genannten Gebührensätzen gegenüber dem Vorjahr deutlich von 1,45 Mio. € auf nunmehr rd. 2,2 Mio. € an. Dabei ergeben sich die größten Einnahme-Ansatzveränderungen für das Jahr 2020 im Ergebnishaushalt bei den Kostenersatzleistungen und -erstattungen der Mitgliedsgemeinden sowie bei den Gebühreneinnahmen durch höhere Ansätze der Schmutz- und Niederschlagswassergebühren. Obwohl es im Haushaltsjahr 2020 zu erhöhten Aufwendungen bei den Personalkosten und den Abschreibungsansätzen kommt, sinkt die Gesamtsumme der ordentlichen Aufwendungen gegenüber dem Vorjahr. Dies liegt an geringeren Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Auch bei den Zinsaufwendungen ist trotz einer steigenden Verschuldung ein Rückgang um 100.000 € zu erwarten. Der Stellenplan enthält zwei zusätzliche Stellen für die Abteilung Klärwerke und die Kanalunterhaltungskolonne. Durch die damit verbundenen Personalausgaben kommt es zu einer Erhöhung des Personalkostenbudgets.

Für die gemeinsamen Abwasseranlagen werden Haushaltsmittel in Höhe von 10,75 Mio. € bereitgestellt. Für die örtlichen Abwasseranlagen im Verbandsgebiet werden im kommenden Jahr Investitionen in Höhe von etwas mehr als 3,0 Mio. € erwartet. Darüber hinaus werden weitere rd. 1,1 Mio. € für Investitionen in das Sachanlagevermögen des Verbandes bereitgestellt, so dass sich eine Gesamtinvestitionssumme in Höhe von über 15,1 Mio. € ergibt.

Die Finanzierung der Investitionen in neue örtliche Abwasseranlagen wird durch die Mitgliedsgemeinden in vollem Umfang gesichert. Die Investitionen in gemeinsame Abwasseranlagen und die Erneuerung bestehender örtlicher Abwasseranlagen werden überwiegend über Darlehen finanziert. Der für das Jahr 2020 ermittelte Darlehensbedarf beläuft sich auf 6,0 Mio. € und ist gegenüber dem Jahr 2019 unverändert geblieben.

Die Nettoneuverschuldung liegt bei voller Inanspruchnahme des geplanten Darlehensvolumens bei 2,35 Mio. € und würde zu einem Schuldenstand am Jahresende 2020 von rd. 27,8 Mio. € führen.

Das Bauprogramm 2020 ist geprägt durch eine Vielzahl an Einzelmaßnahmen am Kanalnetz sowie den Klärwerken und Regenrückhalteeinrichtungen. Im Folgenden möchte ich auf einige Maßnahmen näher eingehen:

  • Kanalerneuerung „Harbacher Weg“ Künzell, 600.000 €,
  • Weiterführung der Maßnahme Wasserkuppenstraße Edelzeller Siedlung, 450.000 €, 
  • Kanalerneuerung „Obere Bahnhofstraße“, 220.000 €,
  • Erneuerung RÜB „An den Höfen“ Horas, 680.000 €,
  • Erneuerung RÜ „Hohenlohestraße“ Edelzeller Siedlung, 760.000 €,
  • Gebietsweise Kanalerneuerung aufgrund des Substanzwerterhaltungskonzeptes
    (Gebiete I, II, III), insgesamt 700.000 €,
  • Gebietsweise Kanalrenovierung aufgrund des Substanzwerterhaltungskonzeptes
    (Gebiete I, II, III), insgesamt 900.000 €,
  • Kanalrenovierung von Haltungen in der Innenstadt und in Stadtteilen Fuldas, mit insgesamt ca. 1,13 Mio.€,
  • Kanalerneuerung „Am Kleegarten“ Fulda 450.000 €,
  • Investitionen Klärwerk Gläserzell:
    • Modernisierung und Aufstockung Betriebsgebäude 750.000 €,
    • Optimierung Schlammbehandlung 900.000 €,
    • Neubau Lagerhalle 130.000 €.

Bzgl. des Baus von örtlichen Abwasseranlagen möchte ich eingehen auf:

  • Fertigstellung der Erschließung des Baugebiets Trätzhof, 350.000 €,
  • Baugebiet „Am Schafacker“ Sickels, 500.000 €,
  • Fertigstellung des Bypass-Kanals zum Schutz des Tiefbrunnens Künzell, ca. 1,5 Mio. €,
  • sowie das Baugebiet „Am Gehausküppel“ Petersberg, 335.000 €

Außerhalb der reinen Baumaßnahmen finden Sie Ansätze zu Ersatzbeschaffungen im Fuhrpark der Kanalkolonne mit insgesamt rd. 730.000 €. Hier ist insbesondere der Ersatz eines alten Saug- und Spülfahrzeuges aus dem Jahr 2003 mit einem Betrag von 500.000 € zu nennen.

Insgesamt sind also nochmals deutliche Steigerungen gegenüber dem schon hohen Budgetansatz des Vorjahres bei der Erneuerung und Sanierung bestehender örtlicher Abwasseranlagen und dem Bau gemeinsamer Anlagen zu erkennen.

Hinzu kommt auch der Einstieg in die Sanierung der teilweise schon über 40 Jahre alten Sonderbauwerke (Regenüberläufe und Regenüberlaufbecken)

3. Personalausgaben/ Stellenplan
Im Haushaltsjahr 2020 kommt es zu erhöhten Aufwendungen bei den Personalkosten, die zum einen durch den Tarifabschluss aus 2018 entstehen, der auch für das Jahr 2020 noch eine moderate Erhöhung der Gehälter vorsieht. Zum anderen enthält der Stellenplan eine zusätzliche Technikerstelle in der Abteilung Klärwerke im Zusammenhang mit der Bewältigung von Zukunftsaufgaben, wie z.B. die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die Entsorgung von Klärschlamm unter Berücksichtigung des vorgeschriebenen Phosphorrecyclings sowie dem Funktionserhalt der Bauwerke (Neubau Zulaufgruppe und Betonsanierung), sowie eine weitere Stelle für die Kanalkolonne zur Optimierung der Durchführung der Sinkkastenreinigungen und weitergehend in den Bereichen der Schachtdeckelkontrolle und -sanierung sowie der Schädlingsbekämpfung, so dass hierfür zusätzliche Haushaltsmittel im vorgelegten Entwurf berücksichtigt wurden.

4. Verschuldung
Zum Jahresanfang 2019 wurde eine Darlehensneuaufnahme von 3,0 Mio. € zur Deckung der Ausgaben in unser Infrastrukturvermögen erforderlich. Eine weitere Darlehensneuaufnahme über 1,5 Mio. € erfolgte vor wenigen Tagen und zum Jahresanfang 2020 werden nochmals 1,5 Mio. € aufgenommen, um die Begleichung der Kosten der laufenden Investitionen zu ermöglichen. Die Verschuldung veränderte sich im Laufe des Jahres 2019 von ca. 22,9 Mio. € um etwas mehr als 1 Mio. € auf ca. 24 Mio. € zum Ende dieses Jahres.

Zur Finanzierung des vorgelegten Investitionsprogramms in 2020 ist ein Darlehensbedarf von 6,0 Mio. € eingeplant. Die Darlehenstilgung beläuft sich voraussichtlich auf 3,65 Mio. €, so dass sich bei vollständiger Inanspruchnahme des eingeplanten Darlehensumfangs eine Netto-Neuverschuldung in Höhe von 2,35 Mio. € ergäbe. Auf Grund der Höhe des Investitionsprogramms 2020 mit rd. 15,1 Mio. € muss davon ausgegangen werden, dass die eingeplanten Darlehensmittel 2020 zur Finanzierung der Investitionen größtenteils benötigt werden.

Wenn man in diesem Zusammenhang jedoch das neu in den Haushaltsplan 2020 eingefügte Diagramm der Entwicklung der Verschuldung im Verhältnis zur Veränderung des Vermögens betrachtet, kann man eindrucksvoll erkennen, dass deren Verläufe miteinander verbunden sind.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der von uns eingeschlagene Weg der Umsetzung des Substanzwerterhaltungskonzepts nicht ohne Anstieg der Verschuldung umsetzbar ist. Trotz des permanenten Spagats zwischen wünschenswerter Schuldenreduzierung und der Notwendigkeit der Erhaltung und Erneuerung unseres wertvollen Infrastrukturvermögens bin ich nach wie vor der Auffassung, den zukünftigen Generationen dennoch keine Schuldenberge zu überlassen, die nicht mehr in Griff zu bekommen sind.

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten und besonders bei Betrachtung der aktuellen Zinssituation wäre es vielmehr unverantwortlich, zum jetzigen Zeitpunkt die Umsetzung unseres viel beachteten Substanzwerterhaltungskonzepts des Kanalnetzes mit all seinen Sonderbauwerken nicht beherzt anzugehen. Im umgekehrten Fall – also weniger Investitionen über Darlehensaufnahmen zu finanzieren, was leider nicht im direkten Wege über Gebührenzahlungen kompensiert werden kann, wird der Werteverzehr unseres Anlagevermögens überhand nehmen und uns in zukünftigen Jahrzehnten vor eine fast unlösbare Sanierungsnotwendigkeit stellen. Daher bin ich der Auffassung, diese enorme Herausforderung jetzt zu schultern und aufgrund des jetzigen Zinsniveaus die eingesparten Zinsen wiederum zur Investitionsfinanzierung bzw. zur Darlehenstilgung zu verwenden. Alleine in den letzten elf Jahren konnte die Zinslast um mehr als 1 Mio. € reduziert werden, was Sie der im Haushaltsplanentwurf 2020 enthaltenen Grafik entnehmen können. Leider sind wir bei unseren Bemühungen auf uns allein gestellt, da es bereits seit mehreren Jahren keine Landesförderungen für Kanalsanierungsmaßnahmen mehr gibt.

Dennoch muss unser Vorgehen auch unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit gesehen werden. Unsere momentanen Anstrengungen werden allesamt über Darlehen finanziert, die über einen überschaubaren Zeitrahmen von max. zehn Jahren vollständig getilgt werden und die zukünftigen Generationen dadurch nicht belasten. Alleine in den nächsten fünf Jahren werden momentan bestehende Darlehensverpflichtungen vollständig bedient, die alljährlich mit rd. 2,1 Mio. € getilgt werden.

Bei voller Ausschöpfung des für das kommende Jahr geplanten Darlehensrahmens gegenüber dem Jahresende 2019 mit rd. 24 Mio. € erhöhten sich die Schulden des Abwasserverbands auf rd. 27,8 Mio. €. Ich hoffe jedoch, dass es dazu nicht kommen wird, da der gesamte zur Verfügung stehende Darlehensrahmen des Jahres 2020 nicht vollständig ausgeschöpft werden muss.

 

Der Saldo des Ergebnishaushaltes steigt mit den neuen Gebührensätzen gegenüber dem Vorjahr deutlich von 14.000 € auf nunmehr rd. 1,45 Mio. €. Die größten Ansatzver-änderungen für das Jahr 2019 ergeben sich im Ergebnishaushalt bei den Einnahmen durch höhere Ansätze der Schmutz- und Niederschlagswassergebühren, was eine Ansatzerhöhung um rd. 2,46 Mio.€ zur Folge hat. Weiterhin erfolgt eine deutliche Erhöhung des Ansatzes für die sonstigen Aufwendungen für bezogene Leistungen (Sachkontengruppe 6179999) im Teil-haushalt „Ableitung von Abwasser“, der um 346.000 € auf nunmehr rd. 906.000 € erhöht wurde. Die Ursache hierfür liegt in der Mittelbereitstellung für die Prüfungen von Sonder-bauwerken und Drosseleinrichtungen sowie diverse Hydraulikberechnungen.

Gewissheit haben wir darüber erst im nächsten Jahr, wobei es auch dann wieder um das gleiche Thema bei den Haushaltsberatungen 2021 gehen wird. Sie können aber sicher sein, dass der Vorstand und die Geschäftsleitung die Verschuldungssituation und -entwicklung sorgsam und permanent verfolgen wird, um einem drohenden ausufernden Schuldenstand unverzüglich Einhalt zu gebieten. Solange wir trotz ansteigender Verschuldung die Gebühren mit unserem derzeitigen Zins- und Tilgungsmanagement in dem jetzigen Rahmen halten können, handeln wir generationengerecht und nachhaltig.

Im Kontext mit einer Eigenkapitalquote, die sich nach wie vor in dem guten Bereich von fast 50 % bewegt, ist und bleibt der Verband ein grundsolides und gesundes Unternehmen.

Die Nettoverschuldung in der Entwicklung von drei Jahren stellt sich wie folgt dar:

22,91 Mio. € im Jahr 2018
24,01 Mio. € im Jahr 2019
rd.27,8 Mio. € (voraussichtlich) im Jahr 2020

5. Verschiedenes
In bewährter Manier möchte ich jenseits des reinen Zahlenwerks noch auf ein paar Themen
aufmerksam machen, die uns im kommenden Jahr und darüber hinaus begleiten werden.

Klärschlammentsorgung

Die eingeschränkte landwirtschaftliche Klärschlammverwertung, begrenzt auf Flächen außerhalb von Wasserschutzgebieten, hat auch in 2019 nochmals gut funktioniert. Die thermische Verwertung der Restmengen an Klärschlamm konnten wir aufgrund eines akzeptablen europaweiten Ausschreibungsergebnisses bis mindestens 2021 sichern. Wir hoffen, dass uns dies bis spätestens 2029 weiterhin ähnlich gelingen wird.

Zu dem in den Gremien bereits vorgestellten Kooperationsmodell mit Gießen ist zu berichten, dass die Verhandlungen ins Stocken geraten sind. Leider konnte bisher von den Kooperationspartnern aus Gießen noch kein akzeptables Vertragsmodell vorgelegt werden, in dem die wirtschaftlichen und organisatorischen Risiken hinreichend und entscheidungsreif abgebildet werden. Hierzu fehlt insbesondere auch noch die abschließende Bewertung und Empfehlung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes.

Wir haben jedoch derzeit noch keinen großen Endscheidungsdruck, der uns zu vorschnellen und ggf. unausgereiften Lösungen zwingt. Das bedeutet aber nicht, dass Vorstand und Geschäftsführung nicht weiterhin die technischen Entwicklungen und die Marktsituation sehr intensiv weiterverfolgen, um eine nachhaltige und wirtschaftliche Lösung für den Verband zu finden.

Allerdings kann verhaltener Optimismus dahingehend konstatiert werden, dass sich die Entsorgungsengpässe verbunden mit den erheblichen Kostensteigerungen mittelfristig entspannen könnten, da derzeit bereits eine relevante Anzahl von neuen Klärschlammmonoverbrennungsanlagen in der Projektierung sind und auch die Entwicklung der Verfahren zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm-Aschen Fortschritte zeigt.

Überflutungsanalyse

Auch die Stadtregion Fulda und das Umland waren in den letzten Jahren vermehrt von Überflutungen betroffen, allein in den letzten 6 Jahren waren es gebietsweise in unserer Stadtregion über 10 Ereignisse. Als erste Schutzmaßnahmen haben wir in den vergangenen drei Jahren die umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen im Engelhelmsbachtal fertiggestellt. Fuldas Kernstadt ist glücklicherweise von extremen Ereignissen, wie wir sie regelmäßig in den Medien sehen können, bisher verschont geblieben.

Mögliche extreme Starkregenereignisse und die daraus resultierenden Abflüsse, die auch hier nicht ausgeschlossen sind, werden wir nicht verhindern können. Anhand sog. Überflutungsgefahrenkarten können wir jedoch ermitteln, wo in unserer Stadt besonders überflutungsgefährdete Bereiche liegen, um dann konkrete Vorsorgemaßnahmen treffen zu können.

Für die Einzugsgebiete zwischen Horasbach und Ronsbach und das Einzugsgebiet des Haimbaches soll für eine Fläche von rd. 40 km² ein engmaschiges digitales Geländemodell erstellt werden, um anhand eines leistungsfähigen Rechenprogramms unter Berücksichtigung des Kanalnetzes die Fließwege und Einstaubereiche bei Starkregen möglichst realistisch simulieren zu können.

Mit diesem Projekt schaffen wir eine qualifizierte Grundlage für ein integratives Handlungskonzept und die nachfolgende Umsetzung von konkreten Schutzmaßnahmen. Integrativ bedeutet, dass dieses Projekt die verschiedenen Fachdisziplinen, wie Bauleitplanung, Freiflächenplanung, Straßen- und Verkehrsplanung sowie die Abwasserableitung umfassen wird, wobei auch die kommunalen Gebietsgrenzen überschritten werden.

Bei den Maßnahmen des Objektschutzes werden dann sicherlich auch die Grundstückseigentümer im Hinblick auf die Eigenverantwortung mit einbezogen werden müssen. Denn eines ist klar: Je extremer die Niederschläge werden, desto geringer werden die Möglichkeiten der öffentlichen Schutz- und Vorsorgemaßnahmen und umso mehr gewinnt der private Objektschutz an Bedeutung.

Für das Projekt mit voraussichtlichen Kosten von 88.000 € erwarten wir dankenswerterweise eine Landesförderung bis zu 80%. Die Übergabe des Förderbescheids durch den Staatssekretär des Hessischen Umweltministeriums ist am kommenden Freitag, 06.12.2019, vorgesehen. Wohl dem, der im „Förderdschungel“ einen klaren Blick behält…

Münsterfeld

Hier geht es um die Flächenvorbereitung und Planung zur Errichtung einer Bodenaufbereitungsanlage. Ziel ist es, die wirtschaftliche und nachhaltige Wiederverwertung des bei Kanalbaumaßnahmen des Verbandes anfallenden Bodenaushubs wiederum in Maßnahmen des Verbandes dauerhaft zu gewährleisten.

Im Haushalt 2020 sind hierzu 500.000 € zur Beräumung und Nutzbarmachung der derzeit noch im städtischen Eigentum befindlichen Flächen als „Aufwendung für bezogene Leistungen“ ausgewiesen. Dieser Betrag wird aber unter der Position „Kostenerstattung“ durch die Stadt wieder ausgeglichen.

Des Weiteren sind 50.000 € als Planungskosten angesetzt, um im Jahr 2020 die Planungen zur Genehmigung der Bodenaufbereitungsanlage nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz beauftragen zu können.

Der zum Erwerb der Fläche erforderliche Grundstückstausch mit der Stadt Fulda ist Gegenstand der anstehenden Sitzungen des Finanzausschusses und der Verbandsversammlung.

Zum Ende der Haushaltseinbringung möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Abwasserverbands für die geleistete Arbeit bedanken. Ferner bedanke ich mich bei allen Mitgliedern der Gremien sowie bei meinen Vorstandskollegen für das kollegiale Miteinander.

 

Mein finaler Dank ergeht an die Geschäftsführung des Verbandes:

  • an Herrn Adams, für seine sachliche und vorausblickende Führung,
  • an Herrn Strohschneider, für seinen ruhigen und präzisen Blick auf die Zahlen,
  • an Herrn Glocker, dem wir ein sehr verlässliches Klärwerk trotz schwieriger Rahmenbedingungen verdanken,
  • an Herrn Geffe, der Jahr für Jahr die wachsenden Bauprogramme definiert und kontrolliert und
  • an Frau Hintzmann, die mit Ihrer Laborexpertise einen wertvollen Beitrag leistet.

 

Für uns alle wünsche ich einen guten Jahreswechsel und ein erfolgreiches Jahr 2020.

Vielen Dank

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